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Haus und Hof

 

Schwäbisches Hauskonzert
Öl, 43 x54 cm, signiert

 

Haus und Hof

Nach der künstlerischen Gestaltung der Einwanderung galt es, die Etappen der schwäbischen Rode- und Aufbauarbeit in der neuen Heimat darzustellen. Jäger schuf nun aus eigenem Antrieb "Des Schwaben Kulturarbeit", ein Gegenstück zu seinem ersten großen Werk und ebenfalls als Triptychon aufgefasst, sowie zahlreiche Bleistift- und Tuschezeichnungen, die das "erste Ackern" und "die neue Heimat Urbar machen" darstellen.

Zahlreicher sind die Skizzen mit schwäbischen Bauernhäusern aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Auf Jägers Bildern sind es meist spitz- und barockgiebelige, reichlich Ornamentierte, jedoch noch aus Kotziegeln errichtete Häuser, die nach der Längstseite des Hofes ausgerichtet sind. Bedeutend größer als das Kolonistenhaus, haben sie zwei Gassenfenstern und eine Gassentür am Hauseingang.

Diesen Häusern konnte der Maler noch zu seinen Lebzeiten an den Randvierteln der Dörfer begegnen, denn in der Dorfmitte hatte der Wohlstand bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Rohrdach und Kotziegel verdrängt. Es entstanden moderne Bauernhäuser aus gebrannten Ziegeln und Dachziegeln, sowohl spitzgiebelig als auch Zwerchhäuser mit trockenen Einfahrten und einer reich beladenen Giebelornamentik. Diesem letzteren Häusertyp begegnen wir bei dem Künstler eher selten.
 


Giebelhaus
in Triebswetter
Aquarell Sizze

Hausgang
in Guttenbrunn
Aquarell Skizze


Bei St. Jäger ist das Haus weder Attribut noch dekoratives Element, sondern ist meist organisch und mit der Bildaussage verwachsen und wird Schauplatz der Handlung. In seinem Werk ist die Wohnkultur der Banater Schwaben am deutlichsten veranschaulicht. Viele Familienszenen spielen sich in der Küche ab, deren Einrichtung sich auf das einfachste beschränkt. Aus der Küche führt meist eine Tür in den Gang, durch den man in die gute Stube, in die Paradestube oder ins Gästezimmer gelangt, diese wird vom Maler niemals als bewohnt dargestellt, sondern als Schau- und Schmuckstück mit besonderer Ehrfurcht und Detailgetreue dargestellt.

Die Paradistub / Die gute Stube
Aquarell und Gouache, signiert

 

In der Mitte der Stube steht der Tisch, darüber befindet sich die Hängelampe mit einem weißen oder bemalten Porzellanschirm, zu beiden Seiten im Eck, stehen die hohen Betten mit zahlreichen Decken und Kissen, davor steht je eine Bank oder zwei schöne Holzstühle. Über den Betten hängen große Ahnen- oder Heiligenbilder. Bettdecken und Tischdecke sind meist von gleicher Farbe und tragen stets dasselbe Muster. Neben den Betten steht je ein Kleiderschrank. Zwischen den beiden Gassenfenstern befindet sich der schöne große Schubladenkasten, darüber hängen mehrere Hinterglasikonen von kleinerem Format, dieser Schubkastenschrank wurde von den Hausbewohner meist als sogenannter Hausaltar gestaltet und verwendet. Die weißen Vorhänge und das Kastentuch sind meist selbstgestickt oder mit weißer Schlingerei schön verziert. In einer Zimmerecke befindet sich der Zimmerhohe schön bemalte Lehmofen, mit einer Ruhebank. Eine bunt bemalte Truhe neben dem Ofen und das darüber angebrachte Zapfenbrett, mit den schönen handbemalten Tellern und Tassen sind auch beliebte Schaustücke der Bauernstube.

Die meisten Jäger Bilder führen uns jedoch nicht die Paradestube vor sondern die Kammer (Wohnstube). Dieser Wohn- und Schlafraum der Familie ist gleich nach der Küche gelegen. In den dargestellten Szenen versammelt der Maler meist die ganze Familie um den großen Tisch, sei es bei der Mahlzeit oder beim geselligen Zusammensein, an den Winterabenden, in der Spinnstube oder bei einer Kartenpartie, wobei jede Einzelheit durchgezeichnet ist. Kinder, vom Säugling in der Wiege bis zu Schulkindern verschiedener Größe beleben stets seine Bilder zusätzlich.
 


Bauernstube
Kammer

Beim Ofen
 Kindersegen
Aquarell und Gouache

Mutterglück
Variante


Jägers Werk ist nicht nur genaueste Bestandaufnahme der Möbel und Wohnkultur der Banater Schwaben, sondern gibt uns auch eingehend Aufschluss über die Speis oder Vorratskammer, über den Stall, den Wagen- und Geräteschuppen, den Bauernhof - sowohl den Vorderhof;  - mit den Blumen, dem niederen Lattenzaun, dem beliebten Oleander neben dem Schwengel- oder Kettenbrunnen, über den Hof mit dem Kleinhaus für die ältere Generation (dem Hauptgebäude gegenüber) - als auch über den Hinterhof; - mit dem Hühnerstall, dem Misthaufen, dem Hambar für Kolbenmais und die  Stroh-, Heu- und Maislaubschober.
 


Hofpartie mit Oleander
Variante

Blumengarten
Variante

Hofpartie mit Schwengelbrunnen

Am Spinnrad
 

Hühnerhof
Variante

Hühnerfütterung
Variante


Auch die Dorfanlage mit ihren geraden Haupt- und Nebengassen, mit den gleichmäßig angelegten Häuserreihen wurde gern vom Maler festgehalten. Da ist z.B. "Hatzfeld von Norden", "Dorfstrasse nach St. Hubert"... und noch viele andere mehr.
 

Dorfstrasse nach St. Hubert





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