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Biographie

 

 




Wer war Stefan Jäger?

Stefan Jäger, der große Maler des banatschwäbischen Volkslebens wurde als zweites Kind von Franz Jäger und seiner angetrauten Gattin Magdalena geb. Schuller - in der Heidegemeinde Tschene zu Hausnummer 82, am 31. Mai im Jahre 1877 geboren.

 


Die Eltern
Magdalena und Franz Jäger


Mit dem, um zwei Jahre ältern Bruder Ferdinand, der liebevoll "Nandor" genannt wurde, verbrachte er seine Kindheit in Tschene und besuchte dort die allgemeine Volksschule bis zur vierten Klasse. Mit 12 Jahren (1889), wurde er in Franz Wieszners "Öffentliche private Knaben - Bürgerschule zu Temeswar/Banat" eingeschult. Hier wurden Sprachen, (Ungarisch, Deutsch, Französisch), Naturwissenschaften (Naturkunde, Chemie, Physik, Erdkunde), Mathematik, Zeichnen, Gesang, Schönschreiben, Religion, und Gymnastik unterrichtet. Diese Schule genoss zu jener Zeit einen guten Ruf in der näheren und ferneren Umgebung und ermöglichte eine gute allgemeine Fortbildung in vier Schuljahren. (Jäger absolvierte hier die Klassen V. - IX.)
 


In den Jahren 1893 - 1895 besuchte Stefan Jäger die X. bis  XII. Klasse an der "Szegediner Städtischen Knaben-Bürgerschule". In der 1878 gegründeten Mittelschule wurden außer Sprachen, Naturwissenschaften, Mathematik, Geschichte und Bürgerkunde auch noch Buchhaltung und Industriechemie unterrichtet. Besondere Aufmerksamkeit scheint man hier dem Zeichnen als Gegenstand geschenkt zu haben (Natur-, Freihand- und geometrisches Zeichnen). Unter dem bewehrten Lehrer Obendorf steigerte sich dort sein Fleiß und seine Zuneigung zur Malerei.

Laut Ausweis wird der Mittelschulabsolvent Stefan Jäger am 8. Sept. 1895 schließlich in der Budapester Modellzeichenschule und Zeichenlehrer-Bildungsanstalt aufgenommen. Hier sollte er in einem vierjährigen Studium mit etlichen Lehrmeistern der Malkunst bekannt werden, die schon einen großen Namen hatten und durch manch hervorragende Arbeit in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt bekannt geworden waren. Unter anderem Professor Ede Balló und auch der junge Künstler Bertalan Székely.
 

Seine Lehrmeister

Professor Ede Balló (*1859 - †1936) war durch seine großflächigen Ölgemälde - "Pietá" und später durch die unzähligen Porträts hervorgetreten, und ab dem Jahre 1895 wirkte er an der Budapester Modellzeichenschule als Professor und Zeichenlehrer und war für den jungen Jäger genau das richtige Künstlervorbild.
 


Prof. Ede Balló


Bertalan Székely


Auch der aus Klausenburg stammende Künstler Bertalan Székely (*1835 - †1910) war seit dem Jahre 1871 in der Budapester Modellzeichenschule tätig, und schon durch viele ausgezeichnete historische Arbeiten sehr bekannt geworden. Székely war ein ehemaliger Schüler von dem bekannten Wiener Künstler Rahl und von dem Münchner Künstler Piloty. Unter anderem wurde Székely sehr bekannt durch die Gemälde der "Zrinyer Schlacht", das Altarbild "Golgotha", den Genrebilder "Sturm" und "Das Gedächtnis", den Aktbildern "Die Quelle" und "Leda", und den Fresken im Opernhaus von Budapest,  wie "Die Auffindung des Leichnams von König Ludwig" und vielen andere mehr.

Stefan Jäger nimmt auch bei diesem berühmten Künstler (Székely) Unterricht in anatomischen Zeichnen. Nicht nur die genauen Kenntnisse zum anatomischen Zeichnen des menschlichen Körpers dürfte Jäger diesem Lehrer verdanken, sondern auch in gewissem Maße das Wissen und Können um die Farbgebung seiner Bilder, insbesondere die leuchtenden Farben in den späteren Jäger Bildern dürften eine nachhaltige Auswirkung der Lehren dieser Malerpersönlichkeit gewesen sein.

Dabei hatte es der junge studierende Jäger nicht immer leicht. Denn häufig war er in dieser Zeit, in materieller Hinsicht, gewissermaßen auf sich selber angewiesen, da er von seinen Eltern nur wenig Hilfe erhoffen konnte. Womöglich wurde die eintretende Mittellosigkeit der Familie durch die anbrechende Krankheit des Vaters bedingt ( 1910). Trotzt des zeitweiligen Freistudiums, den Begünstigungen und Ermäßigungen der Schultaxen welche die Lehrstätte dem mittellosen Schüler zuerkannte, musste er sich als Erzieher bei der gräflichen Familie Sechy bewerben, um so seinen täglichen Lebensunterhalt sicherzustellen.

Nach abgeschlossenem Studium (1899) beginnt der junge Maler seine berufliche Tätigkeit zunächst als freier Künstler in Budapest, weil er sich vorerst in seiner Heimat als Kunstmaler keine Existenz gründen konnte. Von hier aus unternimmt der Maler auch zahlreiche Studienreisen ins Ausland wie Deutschland, Österreich und Italien.
Jägers erste erfolgreiche Werke fanden bei einem Budapester Kunsthändler namens Almásy einen relativ guten Absatz. Für diesen arbeitete der Künstler vorwiegend auf Bestellung an einigen Heiligenbilder, Stillleben und auch an diversen Landschaftsmalereien.

In seiner Heimat wurde er zunächst durch seine zahlreichen Heiligenbilder und Altarbilder bekannt. Für die Gemeinde Arad malte er unter anderem die Altarblätter des "Hl. Stefan und für die Gemeinde Jazova den "Erzengel Gabriel".
 

Marienbild

 


Seine Wahlheimat

Nach seiner Rückkehr aus Budapest findet Jäger in der Großgemeinde Hatzfeld, in der Banater Heide, 1910 ein neues Zuhause, die Gemeinde Hatzfeld wird ihm nun zur Wahlheimat. In den Kriegsjahren (Erster Weltkrieg) war er Landstrum-Mann an der Front. In Hatzfeld lebte und wirkte Stefan Jäger als freischaffender Künstler all die Jahre hindurch bis ins hohe Alter und auf dem Hatzfelder Gemeindefriedhof findet er am 16. März 1962 seine letzte Ruhestätte.

 


Sein erstes großes Werk

Im Jahre 1906 bestellte die Großgemeinde Gertjanosch, ein Gemälde zum Thema-  Die Ansiedlung der deutschen im Südosten-, das der junge Künstler ausführen sollte. Dieses große Vorhaben wurde durch eine großangelegte Sammelaktion ins Leben gerufen und finanziert.

Jäger, fertigte zunächst, nach den ihm wohlbekannten Regeln der Kompositions- und Porträtkunst ein drei Meter langes Bild an (Einheitsbild-Maße 3m x 1,50m). In seinem Eifer war ihm jedoch ein Anachronismus unterlaufen: Auf seinem ersten Gemälde hatte er die Siedlungstrachten der Eingewanderten-Vorfahren nicht in der gewünschten Form und in ihrer gewünschten Detailtreue dargestellt und deshalb verlangte die Gemeinde Gertjanosch ein weiteres Bild und startete auch gleich eine zweite Sammelaktion. Der junge Maler sollte zu diesem Zwecke, im Jahre 1906, eine Studienreise ins Ausland unternehmen um dort die Trachten der Ahnen aus den verschiedenen  Siedlungslandschaften zu studieren und zu skizzieren. Seine Studienreise führte ihn dann nach Deutschland, vor allem nach Stuttgart, Ulm und Nürnberg.
 

Ulmer Schachtel


Zum Thema Einwanderung hat Stefan Jäger nicht nur zahlreiche Trachtenstudien und Skizzen angefertigt, sondern auch zahlreiche Kompositionszeichnungen über verschiedene Stationen der Ansiedlung geschaffen, so auch das "Ulmer Gänsetor", die "Einwandererkolonne am Donaustrand", die "Ulmer Schachteln", "Die Ausschiffung" und noch viele andere mehr, in denen neben den Trachten aus Baden-Württemberg, aus Elsass-Lothringen, aus dem Schwarzwald und aus der Lahngegend auch die Trachten der einheimischen Rumänen und Serben mit besonderer Detailtreue festgehalten sind. In allen Trachten- ob Frauen- oder Männergewand- lassen sich unverrückbare Grundformen erkennen, wird der Grundschnitt des Urkleides der generationenfernen Ahnen gewahrt.
 


Aufbruch an der Donau - Ausschiffung bei Peterwardein
  Federtusche, Skizze


Seine vielen Skizzen, Zeichnungen, Studien und graphische Arbeiten strahlen so viel Spontanität und fachliches Können aus, das selbst alte Kenner dabei immer wieder ins staunen und ins schwärmen kommen.

Auch dem Ansiedler- oder Kolonistenhaus, im dritten Teil des Einwanderungsbildes, wird größte Aufmerksamkeit gewidmet, seine zahlreichen Skizzen diesbezüglich z.B. "Altes Haus aus der Ansiedlung im Ostern" und seine Gemälde wiedergeben dabei alle Einzelheiten. Auf dem Einwanderungsgemälde steht im dritten Teil des Triptychons ein halbfertiges aus Lehm gestampftes acht Klafter langes, drei Klafter breites und acht Schuh hohes, dürftiges Häuschen. Es ist mit Rohr gedeckt und hat einen Brettergiebel zur Gassenfront, was auch in Jägers Aquarellen ersichtlich ist.
 


Stampfhaus
Variante


Das zweite Einwanderungsbild malt Stefan Jäger in drei einzelne Bilder zu einer inhaltgebundenen Einheit und lässt historisches Geschehen auf einem großdimensionierten Maltuch (Maße 1,5  x 5 m) seinen künstlerischen Niederschlag finden. Diese einmalige Werk von hohem geschichtlichen und ethnographischen Wert wurde dann im Frühjahr des Jahres 1910, nach vierjähriger Schaffenszeit, innerhalb der Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung in Gertjanosch feierlich enthüllt und veröffentlicht und hinterlässt bei vielen Betrachtern emotionale Gefühle.


Das erste Teilbild nennt der Künstler
  Wanderung das zweite Rast und das dritte Ankunft
 


Heute befindet sich sein berühmter Triptychon  "Die Einwanderung der Schwaben" im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar/Banat und ist dort in der großen Eingangshalle ausgestellt, das Bild wurde bereits fachkundig restauriert und kann dort jederzeit besichtigt werden.

Im Jahre 1968 wurde im ehemaligen Atelier des Künstlers eine Gedenkstätte eingerichtet und eingeweiht. Das Stefan Jäger Museum in Hatzfeld kann Ganzjährig besucht werden und stellt einige Original Werke und Arbeiten von St. Jäger vor. Ein Teil der Original-Skizzen und Bilder, die heute dem Muzeul Banatului gehören, wurden dort durch originalgetreue Reproduktionen ersetzt, da viele seiner Werke in Privatbesitz sind.
 


Schlusswort

Seine zahlreichen Werke und Skizzen sind nicht nur Augenweide, sondern gleichermaßen auch Dokumente und Zeugnisse einer Zeit, in der er und zum Teil auch noch wir - die heute bereits ältere Generation - und mit ihm unsere nächsten Vorfahren - Väter, Großväter und Urgroßväter - gelebt haben. In seinen Bildern und Skizzen werden wir heute recht häufig mancher Vorkommnisse und Begebenheiten im Volkstumsleben gewahrt, die es heute in dieser Form nicht mehr oder vielleicht schon bald gar nicht mehr geben wird. Sozusagen wird nun der große Volksmaler der Banater Schwaben zum Wissensträger volkstümlicher Geschehen, von Sitten und Bräuchen von Vorkommnissen und auch von der alltäglichen Lebensweise der Banater Bauern auf dem schwäbischen Dorfe, die er vor Ort mit Pinsel, Feder und Zeichenstift für uns und für unsere Nachwelt detailgetreu festgehalten hat.
 

Sumpflandschaft

 


Informationen

Informationen zu Stefan Jäger und seinen Werken finden sie auch in der reich bebilderten Literatur von K. Hans Gross. Die Bücher können über die HOG der Gemeinde Hatzfeld bezogen werden.
 

Buch 1

Stefan Jäger
"Maler seiner heimatlichen Gefilde"
Band 1

Autor: Karl - Hans Gross
 Oswald Hartmann Verlag

ISBN 3 - 925 921 - 11 - 7

Buch 2

Stefan Jäger
"Skizzen, Studien und Entwürfe"
Band 2

Autor: Karl - Hans Gross
 Oswald Hartmann Verlag

ISBN 3 - 925 921 - 57 - 5

 



Noch ein Hinweis in eigener Sache

Wir sind stets bemüht alle Beiträge und Stefan Jäger - Werke so getreu wie nur möglich wiederzugeben, doch kann noch nicht zu allen Beiträgen das jeweils passende Bild von St. Jäger eingestellt werden, da sie noch nicht alle vorhanden, bearbeitet und erfasst sind. Falls sie uns mit Bildmaterial diesbezüglich unterstützen wollen würden wir uns darüber sehr freuen. Vorab schon mal ein herzliches Dankeschön an alle Einsender. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Dr. P. Fraunhoffer für die bisherige und weitere Unterstützung.

Bildeinsendungen an:
webmaster@stefan-jaeger.net


 

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